Life is a journey - Chapter 28
Sep. 26th, 2005 06:30 pmAuthor email: amruniel @ hotmail . com
Disclaimer: Bis auf vielleicht ein paar Figuren, die ich selber erfinde [und ja, die Hauptperson entspringt meiner Phantasie, auch wenn der Name schon bekannt ist!], gehört alles Tolkien höchst persönlich.
Rating: PG13 wenn anders separat gekennzeichnet
Pairing: Legolas/OC
Summary: Ein Mädchen erwacht nach einem Unfall in Mittelerde und findet sich mitten im Ringkrieg wieder... was für Probleme bringt ein extravagantes Ballkleid in Mittelerde mit sich und andere Fragen werden beantwortet ;)
Chapter 28
Das Abendessen war auch ein Erlebnis für sich.
Ich hatte ja in Lórien schon einige offizielle Essen mitgemacht und war mit den
elbischen Gepflogenheiten hinlänglich vertraut, so dass ich ohne große Scheu
hinter Arwen durch die scheinbar unendlichen Gänge Bruchtals lief.
Was konnte hier schon groß anders sein, als das, was ich bei meiner Tante
erlebt hatte?!
Das hier irgendwie ALLES
anders war, merkte ich, sobald sich die Türen des Speisesaals vor mir öffneten.
“Wer von euch hat hier bitte die Arthus-Sage gelesen?“
Meine erstaunten Worte ließen die Köpfe aller schon versammelten Elben zu mir
herumschnellen. Und bei den Valar… das waren verdammt viele!
Ich spürte, wie meine Ohren
ein weiteres Mal den Contest um die hübscheste Tomatenfarbe gewannen, während ich
mich von Arwen durch die starrende Menge ziehen ließ.
Toll gemacht… jeder verdammte Einwohner Bruchtals hatte mit meiner Eigenschaft
zu sprechen, ehe ich nachdachte, Bekanntschaft gemacht – und ich war noch keine
6 Stunden hier.
Wundervoll… -DAS musste man mir erst mal nachmachen…
Aber um auf meine
Ausgangsfrage zurück zu kommen – Tolkien hatte entweder eine andere Version
dieser Halle gesehen, oder schlicht und ergreifend die ganze Sache in einem
Anfall von künstlerischer Freiheit umgedichtet.
So ganz persönlich tippte ich ja auf Version Nummer zwei – der gute Herr wollte
sich wohl einfach nicht vorhalten lassen, aus Ideenmangel in der Sagenwelt
geklaut zu haben…
Tatsache war – diese Idee der
Inneneinrichtung gab es schon mal…
Eine große, runde Tafel stand in der Mitte des Raumes und um sie waren genug
lange Tische gruppiert, um hier eine durchschnittliche Armee samt Familie und
Freunden zu bewirten und trotzdem noch genug Platz zu haben, um wilde
Rave-Parties in den Zwischenräumen zu feiern.
Später sollte ich erfahren,
dass dieser Raum auch als Ballsaal diente – daher die großzügigen Maße.
Derzeit war etwa 1/3 der Tische gedeckt und von Elben jedes Alters besetzt.
Erst als Arwen mich auf einen
der Stühle gedrückt und sich neben mir niedergelassen hatte, kam ich dazu, die
runde Tafel, an der wir nun saßen unter die Lupe zu nehmen.
Mir gegenüber saß Elrond, links neben ihm Glorfindel (wenigstens in diesem
Punkt hatte Tolkien nichts geändert), an Elronds rechter Seite saß ein
schwarzhaariger Elb, der mir vage bekannt vorkam und dessen Identität sich
durch die zwei Elben neben ihm, die mir freundlich zuwinkten, schnell klärte –
es handelte sich um Erestor, den Vater der Zwillinge.
Alagos und Gilívor gegenüber saß ein weiteres Paar identisch aussehender, männlicher
Elben, die ich als Elladan und Elrohir identifizierte.
Der Stuhl neben Arwen war mit dicken Kissen übersäht und zurzeit noch leer.
„Da wir nun bis auf Bilbo, der
in der Halle des Feuers auf uns stoßen wird, vollzählig sind, möge das Mahl
beginnen…“
Kaum hatte Elrond fertig gesprochen, öffneten sich Seitentüren der Halle und
einige junge Elben begannen das Essen herein zu bringen.
Während die Speisen
aufgetragen wurden, machte mich Arwen mit den mir noch nicht offiziell
vorgestellten Elben bekannt.
Das Erste auffällige für mich war der Ton an Elronds Hof.
Alles schien hier lockerer und informeller zu sein, als ich es von Lórien
gewohnt war. Und selbst bei Galadriel war es mehr ein Miteinander, als eine
Monarchie gewesen.
Irgendwann zwischen Hauptspeise
und Dessert fand ich endlich die Zeit, den Herrscher Bruchtals genauer zu
betrachten.
Er war in ein hitziges Gespräch mit seinen Beratern verstrickt und so konnte
ich meine neugierigen Blicke unbemerkt über ihn wandern lassen – es wäre doch
unhöflich und vor allem höchst peinlich gewesen, hätte der Halbelb mitbekommen,
wie ich ihn musterte.
Elronds Gesicht war zeitlos,
nicht alt und nicht jung, doch stand die Erinnerung an viel Freund und Leid
darin geschrieben.
Sein Haar war dunkel wie Schatten im Zwielicht und mit einem silbernen Reif
gekrönt, seine Augen waren grau wie ein schöner Abend, und aus ihnen schimmerte
ein Licht wie von Sternen.
An der ganzen Veranstaltung
gier war nur eine Sache genauso, wie in Lothlórien… das Abendessen war der
Auftakt zu einem kollektiven Besäufnis.
Als Arwen den Elben, die um unseren Tisch verteilt waren, um uns jeden Wunsch
von den Augen abzulesen, deutete, meinen Weinkelch ein weiteres Mal zu füllen –
war das nun das fünfte oder doch schon das sechste Glas?! – stieg in mir die
Erinnerung an mein erstes Abendmahl mit Galadriel und ihrem Hofstaat hoch.
Man konnte nur hoffen, dass
dieses Gelage nicht wieder in einer Ohnmacht meinerseits nach Enthüllungen
sexueller Präferenzen anderer Elben, endete.
Allerdings – was sollte ich schon in dieser Hinsicht erfahren?
Glorfindel und Arwen waren beide so heterosexuell, wie es nur ging… und selbst
wenn nicht, hatte ich nicht vor, mit einem der Beiden –in Glorfindels Fall
wieder- im Bett zu landen…
~oOoOoOo~
Im Bett landete ich in dieser Nacht tatsächlich nicht mehr…
Nachdem Arwen und ich uns freiwillig gemeldet hatten, Gilívor und Alagos in
ihre Betten zu verfrachten und diese Aufgabe erfolgreich hinter uns gebracht
hatten, beschlossen wir, den Besuch in der Halle des Feuers auf einen anderen
Abend zu verschieben und uns stattdessen noch eine Flasche Wein zu besorgen und
den Abend unter freiem Himmel ausklingen zu lassen.
Scheinbar waren wir nicht die
einzigen mit dieser glorreichen Idee, denn im –mehr als gut gefüllten-
Weinkeller Elronds trafen wir auf seine Söhne und unsere persönlichen
Balrogtöter.
So kam es, dass wir mit weit mehr als einer einzigen Flasche ausgestattet die
nächtlichen Plätze des bruchtaler Gartens eroberten.
Man kann sich vorstellen, wie
diese Nacht endete, doch noch war es zu früh, an den mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit am nächsten Morgen auftretenden Kater zu denken.
Dazu war das Hier und Jetzt
wesentlich zu amüsant.
Um nicht zu sagen interessant.
Bisher waren Legolas, Inwé und Haldir die einzigen jungen Elben gewesen, die
ich kennengelernt hatte und bei ihnen, wie auch den Elrond-Kindern war jung ein
sehr relativer Ausdruck.
Aber Tatsache war, dass ich
hier zum ersten Mal junge Elben in Gemeinschaft erlebte – Legolas war
bekanntlich der einzige Elb unter den Gefährten, Haldir hatte ich zu kurz
gekannt, um ihn im Umgang mit Seinesgleichen beobachten zu können und Inwé und
ich hatten zwar einige Zeit miteinander verbracht, ihre wahren Freunde hatte ich
jedoch nie kennengelernt … zu sehr war ich in Lórien „die Nichte der
Herrscherin“ gewesen.
Die Zwillinge nahm ich gleich
aus dieser Aufzählung aus, da sie obwohl an Lebensjahren zwar älter, doch nur
Kinder waren.
Sehr süße, wenn auch manchmal nervige Kinder, doch unter Garantie nicht
repräsentativ für meine Beobachtungen.
Ja, ich weiß… hier sprach der Drill meiner Ausbildung aus mir, doch gelernt ist
gelernt und manche Dinge legte man einfach nicht mehr ab.
Nun war also die erste Nacht,
die ich in Gesellschaft von grob gesagt Elben meiner Altersstufe verbrachte und
ich muss gestehen, meine natürliche Neugier bracht in mir durch.
Ich trank zwar fleißig Runde um Runde des köstlichen Weines mit, hielt mich
aber so weit es ging aus den Gesprächen heraus.
Es war das erste Mal, dass ich
mit drei Geschwistern zusammen saß – in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gab
es so etwas entweder nicht, oder ich hatte mit den betreffenden Geschwistern
nie Bekanntschaft gemacht.
Und noch dazu gab es hier zwei völlig identische Brüder, die ich beim besten
Willen nicht auseinander halten konnte.
Kurz gesagt – ich war
fasziniert. Nicht nur, dass die Zwillinge die Sätze des anderen fortsetzten und
beendeten, als wären sie eine Person, sie hatten auch die besorgniserregende Gewohnheit,
mit Blicken allein scheinbar ganze, stille Gespräche führen zu können, was mir
in meiner Zeit in Bruchtal noch das eine oder andere Mal zum Verhängnis werden
sollte.
Arwen hatte zu ihren Brüdern
wohl das, was ich als Traumverhältnis bezeichnen würde.
Die drei verband ein Vertrauen, das nur aus langen Jahren gemeinsames Lebens,
Liebens, Leidens und Lachen entstand.
Die liebevollen Scherze und Kosenamen, die in dieser Nacht durch die klare Luft
klangen, werde ich wohl auf ewig in meinem Herzen tragen.
Und dann war da natürlich noch
Glorfindel.
Ruhiger, als die Kinder Elronds und doch mitten im Geschehen; Teil vieler
kleiner und großer Geheimnisse und Anekdoten; Vertrauter, Freund, Lehrer,
unverkennbar ein Stück dieser Einheit.
Wie leicht hätte ich mich
ausgeschlossen, störend, als fünftes Rad am Wagen fühlen können, doch genau wie
auch ihre Schwester Stunden zuvor nahmen mich auch Elladan und Elrohir mit
offenen Armen in ihre Gesellschaft auf, erklärten, was ich nicht verstand oder
wissen konnte, fragten, erzählten, lachten mit mir.
Und dann kam das Thema auf
Aragorn, DEN Dúnadan, wie er hier genannt wurde, und anstatt die Stimmung zu
dämpfen, wie ich es insgeheim erwartet und befürchtet hatte, wurde Arwens
sicheres Abschiednehmen von allem, was ihr Leben ausgemacht hatte, sollte
Aragorn seine Bestimmung erfüllen – wovon alle scheinbar felsenfest überzeugt
waren – zwar mit einem Funken Wehmut, aber vor allem grenzenloser Freude
entgegen geblickt.
Die Tatsache, dass Arwen die
Liebe ihres Lebens in dem Mann gefunden hatte, der wie ein Bruder für die
Zwillinge war, schein Trost genug zu sein.
Wie Arwen waren auch ihre Brüder und sogar Glorfindel der Meinung, dass es
wertvoller war, einige wenige geschenkte Jahre mit der Person zu verbringen,
die den Liebenden zu einem vollständigen Elben machte, als die Ewigkeit allein
zu überdauern.
In dieser lauen Nacht in
Bruchtal fiel ein Satz, den ich erst lange Zeit später zum ersten Mal in seiner
vollen Bedeutung verstehen und nachvollziehen konnte.
Er kam von Arwen, die mit leuchtenden Augen und in das sanfte Licht des Mondes
getaucht aussah, wie ein Göttin, eine Erscheinung aus lang vergangener Zeit.
„Auch wenn ich der Abendstern
bin, so habe ich doch den Eindruck in seiner Gegenwart heller zu strahlen, als
die Sterne.“
~oOoOoOo~
Einige Stunden und genauso
viele Flaschen Wein später steuerten wir fröhlich auf den Höhepunkt der Nacht
zu.
Und nein, kein Sex diesmal.
Das Gespräch war
schlussendlich dort gelandet, wo man unweigerlich hinkommt, wenn man mit drei
kampferprobten Kriegern, einer waffenliebenden Elbin und einer soon-to-be
Kriegerin am Tisch sitzt – Waffen… um genau zu sein Bögen, da wir die
verschiedenen Klingenwaffen schon hinter uns gelassen hatten.
Und angetrunken wie wir alle nun
mal waren, lief das Gespräch bald auf eine praktische Demonstration unserer
Künste hinaus.
Gedacht, getan… wir ließen unser Plätzchen auf einer der Terrassen zurück und
zogen frohgemut bis an die Zähne mit Pfeilen und noch mehr Alkohol bewaffnet
zur Übungsarena.
Klar, dass ich als Neo-Elbin
der Vortritt und die Ehre des ersten Schusses hatte… und genauso klar, dass ich
so versagte, wie es nur irgend menschen- ähm elbenmöglich war.
Glorfindel ließ nur ein frustriertes Stöhnen von sich hören, als mein Pfeil
zielsicher zehn Meter neben der Zielscheibe vorbei schoss und ein einziges
Blatt von seinem Stamm trennte, ehe er deutlich hörbar gegen einen Stein
klapperte.
Und um ehrlich zu bleiben –
ich konnte seine Reaktion nachvollziehen, hatte ich doch nicht mal bei meiner
ersten Schießübung in Lórien so eine klägliche Performance abgeliefert.
Für die Zwillinge und Arwen
war das Ganze natürlich ungleich amüsanter und vor allem willkommene
Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen.
Nicht nur, dass sie nun Grundlage für unendlich viele Witze auf meine Kosten
hatten, sie konnten auch noch Glorfindels Fähigkeiten als Lehrmeister in Frage
stellen.
Eigentlich ist es ja unnötig
zu erwähnen, dass die anderen alle zumindest in die Nähe der Mitte trafen, doch
ein gewisser jemand besteht darauf, dass auch dies „der Vollständigkeit
halber“, wie er meint, festgehalten gehört, nun, da ich meine Erlebnisse
niederschreibe.
Auch die nächsten meiner
Versuche die Zielscheibe zu treffen gingen
so spektakulär schief, dass ich mich irgendwann dabei ertappte, den anwesenden
Elben eine Rede darüber zu halten, dass es doch wohl wesentlich anspruchsvoller
und schwerer war, einen Pfeil so fliegen zu lassen, dass er an mehreren Steinen
und Statuen abprallte, nur um im Brunnen hinter uns zu landen, anstatt einfach
mitten ins Schwarze zu treffen.
Der elbische Spieltrieb
gepaart mit einigen Litern Alkohol war wohl schuld daran, dass plötzlich alle
versuchten, mir mein Kunststück nachzumachen und als ich zum Beweis antrat,
dass die Sache doch ganz einfach zu reproduzieren war, geschah das unfassbare:
der Pfeil schnellte von der Bogensehne, durchschnitt surrend die Luft und blieb
schließlich exakt in der Mitte der Zielscheibe stecken, nicht ohne zuvor den
Pfeil Glorfindels, der diese Position bisher inne gehabt hatte, genau in zwei
Hälften zu spalten.
Zur Folge hatte das eine
hitzige Diskussion unter den Elrondkindern, ob man mich besser betrunken oder
doch lieber nüchtern auf Mittelerde-Rettungsmission schicken sollte.
Meinen zaghaften Einwänden, dass ich nur unnötig Angst bekommen würde, sollte
ich betrunken einer Orkarmee entgegen treten und sie alle doppelt sehen, wurde
natürlich kein einziges Mal Aufmerksamkeit geschenkt.
Aber was hatte ich in dieser Angelegenheit schon zu melden? Es war ja nur mein
Kopf, den ich dafür hinhalten musste, damit sie gemütlich weiter lebten – und
wenn ich schon zu Erheiterung der Valar beitragen konnte, warum sollte ich
nicht gleich auch noch Marionette für ein Paar wahnsinnige Elben spielen und
als Studienobjekt zum Thema „wie viel Alkohol braucht es, um sich eine Orkarmee
schön zu trinken?“ herzuhalten.
Oh ja, Alkohol und meine
Psyche hatten schon immer seltsame Wechselwirkungen gehabt und das hier war der
klassische Fall von „in zwei Sekunden von himmelhoch-jauchzend zu
zu-tode-betrübt“.
Am liebsten hätte ich meine Stimmungsschwankungen ja an den noch immer eifrig
über mich und meine Trinkgewohnheiten spekulierenden Elben ausgelebt, da ich
aber weder mein Schwert zur Hand hatte (und dass ich in meinem Zustand mit
Pfeilen nur Glückstreffer fabrizierte hatte ich nun wirklich zur Genüge
bewiesen), noch betrunken genug war, um auch nur eine Sekunde zu glauben,
Elrond damit zu erfreuen, dass ich ihm seine Kinder unter der Nase wegmordete,
entschloss ich mich dazu, einen unauffälligen, taktischen Rückzug aufs Parkett
zu legen.
Dass mein Verschwinden nicht
ganz so dezent, wie erhofft war, merkte ich, als sich zwei starke Arme von
hinten um mich schlagen und mich so zum
Stehenbleiben brachten.
“Was ist los?“
“Lass mich einfach alleine…“ oh, das klang ablehnender, als beabsichtigt.
“Was ist los, Lori?“ Glorfindel ließ sich von meinem Tonfall augenscheinlich
nicht beeindrucken.
“Nichts…“
“Nichts führt normal nicht dazu, sich heimlich davonstehlen zu wollen.“
“Gott, Elb, du nervst…“ und das klang wesentlich zu sehr nach einem trockenen
Schluchzen, als dass es die gewünschte Wirkung hätte haben können.
“Dann sprich mit mir und ich verspreche, das Nerven einzustellen…“
Entgegen aller Absichten rief diese Aussage ein trockenes Lachen meinerseits
hervor.
“Als ob du das könntest, du Wahnsinniger…“
Ehe ich mich versah hatte der
Elb mich herumgedreht und zwang mich,
seinem Blick standzuhalten.
“Nun, aller guten Dinge sind drei – also ein letztes Mal: WAS IST LOS?“
“Ich… ich hab Angst…“ wunderbar… ich wollte doch nicht mehr rumjammern und
gerade Glorfindel hatte meine regelmäßig auftretenden Panikattacken schon zu
oft miterleben müssen.
“Das Gespräch der Zwillinge?“
Ich nickte. Womit hatte ich diesen Elben nur als Freund verdient? Er verstand
mich, ohne, dass ich ihm alles erklären musste, und vor allem ließ er sich
nicht von meinen Launen abschrecken.
“Du weißt, dass das nur dumme Scherze waren…“
Wieder nickte ich. „Ja, nur zu viel Alkohol hat die merkwürdigsten Auswirkungen
auf meine Psyche. Am Besten, du vergisst das einfach, lässt mich in mein Zimmer
gehen und meinen Rausch ausschlafen. Morgen sieht die Welt wieder ganz anders
aus.“
“Ja, morgen, nachdem du dich heute in den Schlaf geweint hast…“
Verdammt! Dieser Elb kannte
mich eindeutig zu gut.
Kein Protest meinerseits was für Glorfindel scheinbar Antwort und Bestätigung
genug.
“Egal, ob du jetzt protestierst, oder darauf bestehst, alleine sein zu wollen,
du kommst mit mir mit.“
“Aber…“
“Kein aber, junge Dame! Du kommst jetzt mit und nein, ich verrate nicht wohin.“
“Ja Papa…“ maulend und schmollend ließ ich mich vom Balrogtöter durch Bruchtal
ziehen.
Auch wenn der Mann älter war, als Gott, gab ihm das noch lange nicht das Recht,
mich wie ein Kind zu behandeln.
Auch wenn ich mir insgeheim eingestehen musste, dass dies vielleicht genau das
war, nachdem ich mich sehnte – jemand, der mir einen Teil meiner Entscheidungen
abnahm und mir das Gefühl gab, dass es für jedes Problem eine Lösung, oder
zumindest Trost und Hilfe gab.
Einige Minuten später, in
denen mich Glorfindel schweigend durch versteckte Gänge in Hecken, über kleine
Plätze und vorbei an wunderschön verzierten Gartenlauben gezogen hatte,
erreichten wir unser Ziel.
Ein wunderschöner, versteckter Platz mit einer Hollywoodschaukel-ähnlichen
Konstruktion direkt vor einem felsigen Abgrund, über den ein kleiner Strom in
die Tiefe viel und sich direkt vor uns in einen weiten See ergoss, ersteckte
sich vor uns.
Es war atemberaubend, so wie
der Elb neben mir, deshalb verwunderten mich Glorfindels Worte nicht
sonderlich.
“Das hier ist mein privates Fleckchen Bruchtal. Hier wirst du nie jemand
anderen finden, denn außer Elrond weiß sonst niemand den genauen Weg.“
Ohne weitere Umschweife ließ sich der blonde Elb auf der Schaukel nieder.
Er bettete seinen Kopf auf die
weich gepolsterte Seitenlehne, sodass sich sein langes Haar wie ein goldener
Fächer auf dem ganzen Kissen verteilte.
Ein Bein stellte er auf die Sitzfläche, das andere beließ er am Boden, um den
Rhythmus der Schaukelbewegung dirigieren zu können.
Wie er so da lag und mich aus
seinen strahlend blauen Augen auffordernd anblickte, sah er für diesen einen
Moment einfach unwiderstehlich aus.
Ich hätte alles dafür gegeben, diesen einen Moment einfach festzuhalten, doch
da ich keine Möglichkeit dazu hatte, tat ich das, was mir blieb, um es für
immer in mich einzubrennen.
Mit leiser Stimme sagte er
meinen Namen und ich folgte seiner Bitte.
Langsam schritt ich auf ihn zu und nahm
den freien Platz zwischen seinen geöffneten Beinen ein.
Für diesen Augenblick schien alles perfekt, als ich mich zurücklehnte und von
seinem warmen Körper umfangen wurde. Mein Rücken lehnte an seiner Brust und
mein Kopf ruhte an seiner Schulter.
„Und nun?“
“Jetzt erzählst du mir, was dich bedrückt.“
Geborgen in den Armen des Elben kamen mir meine Gedanken so belanglos vor.
Ich wusste nicht, wo ich anfangen und schon gar nicht, was ich eigentlich sagen
sollte.
“Du kennst das Gejammer schon zu Genüge. Du hast es dir schon oft genug anhören
müssen…“
„Du hast Angst.“
“Ja.“
“Wovor?“
“Zu sterben…“ ich dachte, das wäre alles, doch plötzlich flossen die Worte nur
so aus mir heraus „…zu leben… zu verlieren… allein zu sein… hier zu bleiben…
zurück zu müssen… euch zu enttäuschen… ich habe Angst vor meinem Schicksal, vor
der Zukunft, vor dem Krieg, vor dem Sieg… und vor allem fürchte ich meine
Angst.“
„Wir werden dich beschützen,
Lori. Du bist nicht alleine! Du hast Menschen, Zwerge und Elben, die alles tun werden,
um dir zu helfen, die egal, was du tust, an deiner Seite stehen, die du nicht
enttäuschen kannst. Wir werden bei dir sein und auf dich aufpassen.“
“Ich weiß, aber wer wird mich vor mir selbst beschützen?“
Auf diese Frage erhielt ich
lange keine Antwort.
Dies war also der Knackpunkt. Ich hatte Freunde, die mich vor allem beschützen
wollten und vermutlich auch konnten, nur einen Faktor konnten selbst sie nicht
beherrschen – mich selbst.
Ich war Dreh- und Angelpunkt des Krieges und gleichzeitig seine größte
Unsicherheit.
Das Verhalten von Orks, Uruk-Hai, Trollen und sogar das von Sauron selbst
konnte man zumindest erahnen, meine Reaktion war das einzig unberechenbare.
Ich war zu sehr Mensch, zu
unerfahren, zu schwach.
Ich konnte trainiert werden, sogar einige elbische Verhaltensweisen konnte mir
beigebracht werden, doch meine Instinkte, meine Furcht, mein Temperament konnte
man mir nicht nehmen.
Ich war unsicher, unberechenbar… ich war unser größter Feind.
„Nur du kannst dich vor dir
schützen. Du hast in dir die Kraft und auch die Willensstärke, diese Aufgabe zu
erfüllen, sonst wärst du nicht die Auserwählte. Du hast alles, was du brauchst
in dir… Aus großer Kraft folgt große Verantwortung und es ist an der Zeit, dass
du diese Verantwortung übernimmst – für dich, für uns, für alles, das du liebst
und für all das, was du noch nicht kennst.
Du musst die Herausforderung annehmen. Stell dich deinem Schicksal, nimm es mit
beiden Armen auf und lerne es zu lieben.
Lass dich nicht von deiner Angst beherrschen, beherrsche du sie.
Manche Dinge sind unumgänglich und selbst, wenn Tränen unseren weiteren Weg
pflastern, müssen wir ihn trotzdem gehen.“
Glorfindels Worte hatten mich
tief ins Herz getroffen und auch, wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht
wusste, ließen sie mich ein letztes Mal über mein Schicksal weinen, ehe ich
meine Zukunft mit beiden Händen ergriff, seine Worte beherzigt, und sie mir
untertan machte.
In dieser ersten Nacht in Bruchtal ließ ich unter Tränen mein altes Leben
zurück und stellte mich meiner Verantwortung.
„In einem meiner Lehrbücher
daheim stand ein Satz, den ich bis heute nicht verstanden habe… 'man muss sich
selbst vernichten, um wiedergeboren zu werden’… und ich verstehe, Glorfindel,
ich verstehe es jetzt…“
Meinen Kopf auf seine Schulter zurückfallen lassend, vergrub ich mein
tränennasses Gesicht in der warmen Haut seiner Halsbeuge und ließ mich von
seinen Armen gehalten sanft in den Schlaf und ein neues Leben schaukeln.

cat132
Date: 2005-09-28 09:41 pm (UTC)wie schön.. das es endlich wieder weitergeht mit mittelerde.. ich muß mal wieder über deinen humor, und auch deine wundervollen versuche dich "klein" zu machen lachen. .O) deine kleine.. lebt und atmet.. sie ist einfach wundervol.. verletzlich, und doch so voller zweifel an sich selber, nicht wissend was für ein potential in ihr schläft.. die szene mit dem pfeilwettschießen war , wundervoll.. .O) ach, ich mag sie einfach alle, deine gestalten und tolkin wäre stolz auf dich, wie du so seine gedanken weiterspinnst .)
mach bitte weiter so..